|
Im
August 1959 vergab der damalige TICE-Präsident Jules
Schreiner bei der Firma Meris-Wagner aus Luxemburg
den Auftrag für die Lieferung eines kompletten
Autobusses vom Typ Mercedes-Benz O317 mit einer
Gesamtinsassenzahl von 102 Personen. Bereits am 11.
November 1959 wurde dieses Fahrzeug auf dem
Gemeindeplatz in Esch/Alzette der Öffentlichkeit
vorgestellt.
Der
Bus, welcher beim TICE die Fahrzeugnummer 34
erhielt, besaß drei Türen und war für
Schaffnerdienst eingerichtet. Versuchsweise wurde er
auch einige Tage mit Schaffner bedient.
Werkseitig war ein automatisches Getriebe eingebaut,
das jedoch später durch eine 4 Gang-Schaltung
ersetzt wurde. Für die damalige Zeit war dieser Bus
mit 34 Sitzplätzen (Fahrer- und Schaffnersitz
inbegriffen) und 73 Stehplätzen, das
Strassenfahrzeug, welches die meisten Personen
befördern konnte. Der 6-Zylinder Dieselmotor war mit
172 PS ebenfalls höher als die Leistung der Busse,
die bis dahin auf dem TICE-Netz eingesetzt wurden.
Bus
34 hatte auch keine Stahlfedern mehr, sondern eine
ausgleichende Luftfederung mit zusätzlichen
Stoßdämpfern. Da er eine Servolenkung besaß
benötigte der zwölf Meter lange Bus einen Wendekreis
von bloß 21,6 Metern. Den Passagieren bot Bus 34
einen Komfort den sie bis dahin noch nicht kannten.
Deshalb galt er auch als Prunkstück des
Trambussyndikats. Sein Preis betrug 1.295000 LUF. Er
wurde mit dem Kfz-Zeichen 52902 für den Fahrdienst
zugelassen. Dieses Kfz-Zeichen befindet sich auch
noch heute am Bus.
Während fast 18 Jahren, genauer gesagt bis Mai 1977,
beförderte das Fahrzeug die Einwohner aus der
Minetteregion. In dieser Zeit hatte der Bus mehr als
800.000 km auf den Strecken des TICE-Netzes
zurückgelegt. Bis 1978 verweilte der ausgemusterte
Bus noch auf dem TICE-Gelände, wo er als
Ersatzsteilspender diente. Ohne Motor, Kompressor
und Kühler drohte dem nicht mehr betriebsfähigen Bus
bald ein jähes Ende.
Es war in diesem Moment, wo Mitglieder der
Vereinigung G.A.R. (Groupement des Amis du Rail)
sich entschieden den Bus als Museumswagen zu
erhalten. Kurzer Hand erstanden sie den Bus und
stellten ihn in Luxemburg auf dem Betriebshof der
AVL ab.
Im
Jahre 1986 wurden bei der TICE die letzten Busse der
Baureihe O317 (Fahrgestell: Mercedes-Benz mit
Karosserie Jonkheere) abgestellt und
ausgeschlachtet. Wagen 61 war der letzte dieser
Serie. Der Austauschmotor wies eine
Kilometerleistung von nur 300 000 km auf. Deshalb
beschloss die Vereinigung GAR dieses Fahrzeug von
der TICE zu erwerben als Ersatzteilspender für Bus
34. Sämtliche fehlenden Teile vom Motor bis zur
Heizungsanlage wurden in letztgenanntes Fahrzeug
eingebaut.. Schon nach etwa einem Jahr war Bus 34
wieder fahrtüchtig und verrichtete zahlreiche
Sonderfahrten bis 1989.
So gründeten sie am 29. April 1995 die Vereinigung „TICE
Entente Bus 34/1959 a.s.b.l“. Damit hatten sie sich
eine große Aufgabe vorgenommen. Mit Eine zerstörte
Querstrebe, ein Kurzschluss und weitere technische
Probleme setzten dem Lebensweg ein Ende. Von 1989
bis 1995 wurde das Fahrzeug nur noch von
Abstellplatz zu Abstellplatz befördert. Die
Verschrottung war nur eine Frage der Zeit..
Zu diesem Zeitpunkt gab es unter den TICE-Fahrern
einige, die der Meinung waren, man müsse diesen
Wagen für die Nachwelt erhalten, da der ehemalige 34
ein letzter Zeuge aus der Pionierzeit der TICE
Busgeschichte selbst, darstellte.dem Ziel den Wagen,
den sie vom Groupement des Amis du Rail (G.A.R.)
geschenkt bekamen, wieder fahrtüchtig zu machen,
wurde die Arbeit in Angriff genommen.
Um
die benötigten Geldmittel für die Restaurierung des
Busses aufzutreiben, organisierten sie nun
zahlreiche Manifestationen wie z.B. “Ein Tag der
offenen Tür auf dem TICE Gelände“. Da die
Vereinigung außerdem viele Mitglieder zählte, die
bereit waren, die Ziele der Vereinigung durch ihre
Beiträge oder den Kauf verschiedener Souvenirs zu
unterstützen, war es bereits nach ungefähr einem
Jahr möglich mit den ersten Arbeiten zu beginnen.
Im Jahre 1996 wurde beschlossen den Bus zur Firma
„M+M Bus & Car“ in Heist-op-den-Berg in Belgien zu
bringen. Dort wurde der Bus in seine Einzelteile
zerlegt und die Karosserie wurde vollständig
erneuert. Die Arbeiten am Bus gingen Ende des Jahres
1998 und anfangs 1999 gut voran und man hoffte, dass
der Wagen bald wieder in Luxemburg sei.
Nachdem
die Achsen schon in Lüttich erneuert waren. brachte
man im März 1999 die Sitzbänke nach "Ceské Velenice"
in Tschechien. Dort wurden die Gerüste und die
Polsterung der Sitzbänke erneuert, was etwa drei
Monate dauerte.
Da in der Zwischenzeit, die Verantwortlichen der
Vereinigung trotz enormer Anstrengung nicht mehr in
der Lage waren, die für die Weiterführung der
Restaurierung benötigten Gelder aufzutreiben,
verkaufte man das Fahrzeug für den symbolischen
Franken an den "Service des Sites et Monuments".
Schlechte
Nachrichten kamen jedoch aus Belgien. Die rechte
Frontscheibe war zerstört.. Trotz mannigfaltiger
Versuche gelang es weder der Firma „M&M“ noch der
Vereinigung eine Ersatzscheibe aufzutreiben. Da die
restlichen Arbeiten aber ausgeführt waren,
entschloss man sich den Bus im Februar 2000 wieder
nach Luxemburg zu überführen. Jean Paul Grasges,
Fuhrparkleiter der Firma ARTHUR WELTER lieferte den
Bus mit einem Tieflader gleich bei Mercedes-Benz in
Luxemburg ab. Hier wurde der Motor wieder eingebaut
und die restlichen Arbeiten für die Zulassung
ausgeführt.
Da
die Vereinigung im Mai 2000 erneut „Einen Tag der
offenen Tür“ auf dem TICE- Gelände organisierte,
wurde der teilweise restaurierte Bus 34 gleich den
Besuchern vorgeführt..
Doch das Problem der zu ersetzenden rechten
Frontscheibe war aufgeschoben doch immer noch nicht
aus der Welt geschafft.
Ohne dieses Teil war an eine Zulassung nicht zu
denken. Angesichts der Tatsache dass solch „antikes“
Material nicht mehr aufzutreiben war, verschärfte
sich die Lage auf ein Weiteres.
Anfang
2001 erklärte sich ein belgischer Glasfabrikant
bereit eine neue Scheibe nach Maß anzufertigen.
Eines der schwierigsten Probleme bei der
Restaurierung des Busses schien gelöst. Ein
Generalstreik bei besagter Firma verschob aber den
Fertigstellungstermin auf ein Neues.
Ein weiteres Jahr verging ehe man das Fahrzeug der
technischen Endkontrolle vorgeführt konnte.Nachdem
die eigentlichen Restaurierungsarbeiten am Bus etwa
fünf Jahre gedauert hatten, waren die
Verantwortlichen mehr als zufrieden als im Dezember
2001 die letzte Hürde, nämlich die Zulassung für den
aktiven Fahrdienst in Kraft trat.
Anfang 2002 waren mehrere Fahrten mit dem Bus
vorgesehen. Die Verantwortlichen der Vereinigung
mussten jedoch einen schweren Rückschlag hinnehmen
als man bereits bei der dritten Fahrt in einen
Auffahrtsunfall verwickelt wurde.

Genau
wie andere Besitzer von Oldtimerfahrzeugen hatte man
bei „Télévie“ teilgenommen. Auf Helfenterbrück kam
es zu einem Unfall als ein moderner Doppeldeckerbus
nicht mehr rechtzeitig anhalten konnte. Dabei
drückte er vier vor ihm stehende Oldtimerbusse
ineinander, wobei Bus 34 vorne und hinten beschädigt
wurde. Daraufhin war der Wagen wieder ein halbes
Jahr außer Betrieb.
Nach
all diesen bösen Omens kam es dann endlich und
definitif zu einer Lageverbesserung. Die Vereinigung
bekam die ersten Anfragen für Fahrten zwecks
besonderen Anlässen. Nach jahrelangen
„Schicksalsschläge“ war der erste Auftrag
ausgerechnet die Beförderung einer Hochzeitsfete.
Zahlreiche weitere Fahrten folgten. Der lang
ersehnte Erfolg stellte sich ein. Eine Fahrt in die
Vergangenheit war das Besondere. Weniger
komfortabler, aber Bus 34 ist ja auch etwas
BESONDERES.
Nachdem
Ihnen hier das bewegte Leben eines Busses
geschildert wurde, hoffen wir, dass auch Sie
neugierig geworden sind und Bus 34 einmal anmieten
möchten.
Eine Reise in die Fünfziger. Vergangenheit mit
Gegenwart verbinden.
|